Der Moderne auf der Spur

Obwohl der Titel es vermuten lässt: Ich war nicht im Apple-Store um mir das neuste iPhone 6 zu kaufen. In diesem Fall hätte man auch eher von der Post-Moderne sprechen müssen, schließlich wird eben dieses Mobiltelefon erst im September des Jahres vorgestellt.
Stattdessen wurde dem Kunstmuseum ein Besuch abgestattet, um dort die aktuelle Ausstellung "Spuren der Moderne" zu besichtigen. Aus der eigenen Sammlung des Museums der letzten 20 Jahre wurden Kunstwerke zusammengestellt, die von den späten 1960er Jahren bis in die Gegenwart reichen.



Wir starteten mit einem ersten Rundgang, der uns einerseits einen schönen Überblick über die Exponate verschaffte und mich andererseits feststellen ließ, dass das Fotografieren im Museum nur mit Fotoerlaubnis gestattet ist (vgl. Aussage Museums-Aufsichtsmensch).
Die zweite Runde durch die Ausstellung wurde dann von einem attraktiven Fotoerlaubnis-Aufkleber, einer kundigen Führerin und einer Horde weiterer Spurensuchender begleitet.
Ein Museum ohne Guide zu besuchen ist für mich mit meinem doch sehr begrenztem Wissen über moderne Kunst meist ebenso erhellend wie eine japanische TV-Show, die ich ohne Untertitel oder Synchronisation verfolge. Daher gestaltete sich Rundgang N°2  um einiges aufschlussreicher und spannender. 

Direkt im Eingangsbereich befindet sich beispielsweise eine Installation bestehend aus vielen einzelnen Wasserstrahlern, die vor einer beleuchteten schwarzen Wand heruntergeschossen werden und für wenige Millisekunden Worte bilden. Alle Begriffe werden zufällig aus Onlinenachrichtenportalen gefiltert. Buchstäblich fallen also im Sekundentakt Keywords aus dem aktuellen Weltgeschehen, die bereits in sich zerfließen, noch bevor man sie vollständig hat lesen können. Eine Überspitzung der heutigen Berichterstattung: Die Tagesschau in 100 Sekunden versorgt uns mit schnellen Informationen, die oft genau so schnell wieder vergessen sind und zu denen kein Hintergrundwissen geliefert wird.

Ebenfalls fasziniert hat mich ein Spiegellabyrinth, in dem die einzelnen Spiegelstreben  schneckenförmig angeordnet wurden. Zwischen den Spiegeln sind jeweils Lücken, sodass man beim Durchgehen nach kurzer Zeit nicht mehr unterscheiden kann, ob man andere Personen tatsächlich durch eine Lücke oder nur in einer Spiegelung erkennt.

Einer der nächsten Ausstellungsräume war wohl der erholsamste, denn wir wurden aufgefordert, uns auf den Boden zu setzen, um die dortige Installation zu bewundern. Definitiv der erste Pluspunkt. Ist es nicht einfach furchtbar anstrengend, mit kurzen Schlenderunterbrechungen stundenlang herumzustehen…? Nein? Gut, möglicherweise liegt es auch daran, dass ich die Fitness einer durchschnittlichen 90jährigen habe. Einige ältere Museumsbesucher hatten sich sogar kleine ausklappbare Stühle mitgebracht, um sich in jedem Raum sofort eine angenehme Sitzgelegenheit verschaffen zu können… Vielleicht sollte ich auch in solch ein mobiles Möbelstück investieren. 

Zurück zu der Ausstellung: In dem Raum, der mich eben zu meinen Ausschweifungen verleitete, besteht die Decke aus unterschiedlich gefärbten Rechtecken, die in unterschiedlichen Höhen angebracht sind.  An einigen Stellen ragten sie so weit von der Decke herab, dass ich den Kopf etwas einziehen musste. Der Künstler stellt mit den fünf unterschiedlich gefärbten Rechtecken jeweils Personen dar, die in einem Büro arbeiten, wobei die Deckenhöhe der Größe der jeweiligen Person genau entspricht. Setze man sich unter einer solchen Deckenhöhe dann an einen Schreibtisch im Büro, so könne man angeblich am besten arbeiten. In einer Ecke des Raums sind außerdem sieben Hängelampen in einer Höhe angebracht, die für eine normale Raumhöhe angemessen wäre, sodass sie in diesem Zimmer beinahe den Boden berühren.

Ziemlich energieverschwenderisch, jedoch auch ziemlich beeindruckend war ein runder Raum mit weißen Wänden, welche rundum mit eng aneinander liegenden, gleißend hellen Halogenlampen bedeckt sind. Durch hunderte von Lampen ist es dort nicht nur unerträglich hell, sondern auch extrem heiß. 

Geblendet wurde man im nächsten Raum höchstens durch den Beamer, der die angeblich vollkommen klaren aber irgendwie doch farbigen Kreise beleuchtet hat… So genau weiß ich das nicht mehr, denn ich war viel zu beschäftigt damit, ausgefallene Schatten- und Spiegelbilder zu schießen.



Am Ende eines jeden Besuchs dieses Museums besichtige ich natürlich diesen reizenden Schutthaufen. Der steht dort dauerhaft herum und doch findet man jedes Mal etwas Neues zwischen Erde, Brettern und Leinwänden. Die diesmalige Neuentdeckung war übrigens eine Schlange. Und auch die gute, alte Maus ist noch da.



Ich wünsche euch eine wundervolle Woche!


Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen